Wallbox auswählen: 11 oder 22 kW, festes Kabel oder Steckdose und worauf es sonst ankommt
Die meisten Wallboxen sehen sich ähnlich, doch einige Entscheidungen lassen sich nach der Installation kaum noch ändern: die Ladeleistung, die Frage Kabel oder Steckdose und ob die Box mit PV-Anlage, Energiemanager und Netzbetreiber zusammenspielt. Die Zahlen zum Angebot stammen aus unserer Datenbank mit 67 Wallboxen von 18 Herstellern, die Sie auf der Wallbox-Übersicht vergleichen können.
11 oder 22 kW?
In Deutschland sind Hausanschlüsse fast immer dreiphasig, daher ist die Frage meist nicht „ob“, sondern „wie viel“. In unserer Datenbank schaffen 42 der 67 Wallboxen (63 %) 22 kW, 12 Modelle haben 11 kW und 13 sind einphasig mit 7,4 kW.
| 11 kW | 22 kW | |
|---|---|---|
| Strom je Phase | 16 A | 32 A |
| Netzbetreiber | Mitteilung vor Inbetriebnahme | vorherige Zustimmung nötig (über 12 kVA) 1 |
| Ladegeschwindigkeit | ca. 50–60 km Reichweite je Stunde, je nach Verbrauch | doppelt so schnell – wenn das Auto 22 kW AC kann |
| Sinnvoll für | fast alle Haushalte | Autos mit 22-kW-Bordlader, zwei Autos, gewerbliche Nutzung |
Die Genehmigungsfrage
Nach § 19 Abs. 2 NAV müssen Ladeeinrichtungen für E-Autos dem Netzbetreiber vor der Inbetriebnahme mitgeteilt werden. Übersteigt die Summen-Bemessungsleistung 12 kVA, ist zusätzlich seine vorherige Zustimmung erforderlich 1. Eine 11-kW-Wallbox ist also nur meldepflichtig, eine 22-kW-Box zustimmungspflichtig. Viele Käufer nehmen deshalb ein 22-kW-Modell, das der Elektriker auf 11 kW begrenzt und so anmeldet – das hält die Option offen, ohne Wartezeit auf eine Zustimmung.
Das Auto entscheidet mit
Viele Elektroautos laden an Wechselstrom (AC) mit maximal 11 kW; einige nur einphasig oder zweiphasig. Schauen Sie ins Datenblatt Ihres Autos nach der AC-Ladeleistung des Bordladers. Steht das Auto nachts acht Stunden an der Box, lädt es mit 11 kW rechnerisch bis zu 88 kWh nach – mehr als genug für die meisten Tagesstrecken.
§ 14a EnWG: Netzentgelt sparen, Drosselung akzeptieren
Seit 1. Januar 2024 gelten neue Wallboxen mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Der Netzbetreiber darf ihren Bezug bei drohender Überlastung vorübergehend drosseln, muss aber mindestens 4,2 kW zulassen. Im Gegenzug darf er den Anschluss neuer Wallboxen nicht mehr mit Verweis auf mögliche Netzüberlastung ablehnen oder verzögern, und Sie zahlen reduzierte Netzentgelte 2. Details zu den drei Modulen stehen in unserem Ratgeber zum dynamischen Stromtarif.
Für die Wahl der Wallbox heißt das: Die Box sollte eine externe Steuerung akzeptieren, entweder direkt über eine Schnittstelle zur Steuerbox des Netzbetreibers oder über einen Energiemanager. Fragen Sie vor dem Kauf nach, wie das beim gewählten Modell umgesetzt wird.
Festes Kabel oder Typ-2-Steckdose?
| Festes Kabel | Typ-2-Steckdose | |
|---|---|---|
| Komfort | einstecken, fertig | eigenes Kabel aus dem Kofferraum |
| Mehrere Fahrzeuge/Gäste | Kabellänge muss passen | jeder bringt sein Kabel mit |
| Optik | Kabel hängt an der Wand | aufgeräumt |
| Diebstahl/Vandalismus | Kabel bleibt draußen | nichts zu entwenden |
Von den 58 Wallboxen mit bekannter Anschlussart haben 26 nur eine Steckdose, 10 nur ein festes Kabel und 22 gibt es in beiden Varianten. Beim festen Kabel die Länge messen: von der Wand bis zur Ladeklappe plus ein Meter Reserve.
Funktionen, die Sie später nicht nachrüsten
- PV-Überschussladen. 30 der 67 Wallboxen in unserer Datenbank geben an, mit Solarüberschuss laden zu können; siehe Wallboxen für PV-Überschussladen.
- 1↔3-Phasenumschaltung. Dreiphasig beginnt das Laden erst bei etwa 4,1 kW (3 × 6 A). Mit Umschaltung lädt die Box bei wenig Sonne einphasig ab rund 1,4 kW. Das können nur 10 Modelle in unserer Datenbank: Wallboxen mit Phasenumschaltung.
- Lastmanagement. 60 der 67 Modelle nennen es, meist aber nur mit zusätzlichem Zähler; mehr dazu im Ratgeber Lastmanagement.
- Fehlerstromschutz. Wallboxen brauchen einen Schutz, der auch Gleichfehlerströme erkennt: RCD Typ B oder Typ A mit 6-mA-DC-Erkennung in der Box. 48 Modelle in unserer Datenbank haben die DC-Erkennung eingebaut.
- Offene Schnittstelle (OCPP). Damit sind Sie nicht an die App des Herstellers gebunden.
Zähler: MID oder eichrechtskonform?
Ein MID-Zähler misst die geladenen kWh mit nach EU-Messgeräterichtlinie geprüfter Genauigkeit; 30 der 36 Wallboxen mit bekannter Angabe haben einen (Wallboxen mit MID-Zähler). Wer Ladestrom nach kWh an andere abrechnet, etwa an Mieter oder Mitbewohner im Mehrfamilienhaus, bewegt sich im geschäftlichen Verkehr; dann dürfen Messwerte nur aus Messgeräten stammen, die dem Mess- und Eichrecht entsprechen 3. Das verlangt meist eine ausdrücklich eichrechtskonforme Wallbox, nicht nur einen MID-Zähler. Für die Erstattung beim Dienstwagen gelten andere Regeln; siehe unseren Ratgeber zu Eichrecht und Dienstwagen.
Kurz zusammengefasst
- Für die meisten Häuser: 11 kW, oder 22 kW auf 11 kW begrenzt.
- PV-Anlage vorhanden? Auf Überschussladen und Phasenumschaltung achten.
- § 14a-fähig, mit OCPP und – falls jemand anders den Strom bezahlt – mit passendem Zähler.
Modelle nebeneinander vergleichen Sie im Vergleich.
Häufige Fragen
Muss ich eine Wallbox beim Netzbetreiber anmelden?
Ja. Ladeeinrichtungen sind dem Netzbetreiber vor der Inbetriebnahme mitzuteilen. Liegt die Summen-Bemessungsleistung über 12 kVA, also etwa bei 22 kW, braucht es zusätzlich seine vorherige Zustimmung.
Lohnt sich eine 22-kW-Wallbox?
Nur wenn das Auto mit 22 kW AC laden kann oder zwei Autos gleichzeitig laden sollen. Viele E-Autos laden an Wechselstrom mit höchstens 11 kW; dann lädt eine 22-kW-Box nicht schneller.
Was bringt § 14a EnWG für meine Wallbox?
Wallboxen über 4,2 kW gelten seit 2024 als steuerbare Verbrauchseinrichtung. Der Netzbetreiber darf sie bei Netzengpässen drosseln (mindestens 4,2 kW bleiben), dafür gibt es reduzierte Netzentgelte.
Brauche ich eine eichrechtskonforme Wallbox?
Nur wenn Sie Ladestrom nach kWh an Dritte abrechnen, etwa im Mehrfamilienhaus. Für das eigene Auto oder die Dienstwagen-Erstattung reicht eine normale Messung.
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Weitere Ratgeber
- Smart laden: dynamischer Stromtarif, § 14a-Netzentgelte und PV-Überschuss
- Lastmanagement für Wallboxen: Hausanschluss schützen, mehrere Autos laden
- Wallbox anmelden und installieren: Netzbetreiber, § 14a EnWG, Miete und WEG
- Dienstwagen zu Hause laden: Stromkosten erstatten, MID-Zähler und Eichrecht
- OCPP bei Wallboxen: Backend, Ladekarte und freie Wahl der App
Quellen
- § 19 NAV – Betrieb von elektrischen Anlagen, Verbrauchsgeräten und Ladeeinrichtungen — Bundesministerium der Justiz · abgerufen 28. Sept. 2026
- Steuerbare Verbrauchseinrichtungen (§ 14a EnWG) — Bundesnetzagentur · abgerufen 28. Sept. 2026
- § 33 MessEG – Anforderungen an das Verwenden von Messwerten — Bundesministerium der Justiz · abgerufen 28. Sept. 2026