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OCPP bei Wallboxen: Backend, Ladekarte und freie Wahl der App

Wie gut eine Wallbox auf Dauer funktioniert, hängt nicht nur von der Hardware ab, sondern auch davon, mit welchem System sie spricht: der App des Herstellers, dem Energiemanager, dem Backend des Arbeitgebers oder eines Abrechnungsdienstes. Der gemeinsame Nenner ist fast immer OCPP.

Was ist OCPP?

Das Open Charge Point Protocol ist ein offener Kommunikationsstandard zwischen Ladestation und Backend. Getragen wird er von der Open Charge Alliance, einem internationalen Verband mit mehr als 400 Mitgliedern aus Herstellern, Softwareanbietern und Netzbetreibern; ihr Ziel ist, dass Ladeinfrastruktur verschiedener Anbieter herstellerübergreifend zusammenarbeitet 1.

Für Sie als Käufer heißt das: Eine Wallbox mit offener OCPP-Schnittstelle bleibt nutzbar, auch wenn die Hersteller-App eingestellt wird, der Arbeitgeber ein anderes Backend nutzt oder Sie später einen Energiemanager nachrüsten.

Die Versionen im Überblick

VersionJahrWichtigste Neuerungen
OCPP 1.6 (als JSON: „1.6J“)2015Starten/Stoppen, Zählerwerte, RFID-Autorisierung, einfaches Smart Charging
OCPP 2.0.12020Gerätemanagement, verbesserte Transaktionen und Sicherheit, erweitertes Smart Charging, ISO-15118-Unterstützung, Displaytexte 2
OCPP 2.12025bidirektionales Laden (V2X) über ISO 15118-20, Einbindung dezentraler Energieanlagen, Ad-hoc-Bezahlung, lokale Kostenberechnung 2

OCPP 2.0.1 wurde 2024 zudem als internationale Norm IEC 63584 verabschiedet 2.

Was unsere Daten zeigen

Bei 51 der 67 Wallboxen in unserer Datenbank ist die OCPP-Version bekannt. 11 davon (22 %) unterstützen OCPP 2.0.1, die übrigen 1.6 bzw. 1.6J. Acht Modelle sind in unseren Daten als OCA-zertifiziert vermerkt; die Open Charge Alliance betreibt dafür ein eigenes Zertifizierungsprogramm mit Testlaboren und einer Datenbank zertifizierter Produkte 1. Eine Box kann OCPP auch ohne Zertifikat beherrschen – das Zertifikat bestätigt nur, dass ein Labor die Umsetzung geprüft hat.

Wer ist wer?

  • Hersteller: liefert die Wallbox und meist eine App mit eigener Cloud.
  • Ladepunktbetreiber (CPO) bzw. Backend-Anbieter: verwaltet Wallboxen aus der Ferne – Updates, Störungen, Ladevorgänge, Tarife.
  • Fahrstromanbieter (EMP/eMSP): gibt Ladekarten und Apps aus, mit denen Sie an Ladepunkten vieler Betreiber laden, und rechnet mit Ihnen ab.

Zu Hause reicht oft die Hersteller-App. Sobald jemand anderes den Strom bezahlt – Arbeitgeber, Vermieter, Gemeinschaft –, kommt ein Backend ins Spiel.

Typische Anwendungen zu Hause

  1. Dienstwagen: Das Backend des Arbeitgebers oder eines Abrechnungsdienstes liest die Ladevorgänge über OCPP aus. Seit 2026 wird der Ladestrom beim Dienstwagen nur noch nach gemessenen kWh erstattet; siehe unseren Ratgeber zu Eichrecht und Dienstwagen.
  2. Energiemanager: Ein Energiemanager steuert die Wallbox über OCPP, Modbus oder EEBus – für PV-Überschussladen, dynamische Tarife und die § 14a-Steuerung.
  3. Mehrfamilienhaus: Ein gemeinsames Backend verteilt die Leistung und ordnet Ladevorgänge per RFID den Nutzern zu. 55 der 67 Wallboxen in unserer Datenbank haben einen RFID-Leser.

Unterwegs: Ladekarte oder Ad-hoc?

Für öffentliche Ladepunkte gilt EU-weit die AFIR-Verordnung. Sie verlangt unter anderem, dass an neuen öffentlich zugänglichen Ladepunkten punktuelles Laden ohne Vertrag möglich ist und die Preise transparent angezeigt werden 3. Eine Ladekarte oder App eines Fahrstromanbieters ist damit keine Voraussetzung mehr, bleibt aber für Übersicht und Abrechnung praktisch.

Plug & Charge mit ISO 15118

Bei ISO 15118 authentifiziert sich das Auto über das Ladekabel; Karte oder App entfallen. Auto, Wallbox und Backend müssen es unterstützen. In unserer Datenbank nennen 5 Wallboxen ISO 15118 – siehe Wallboxen mit ISO 15118. Für bidirektionales Laden, also das Auto als Hausspeicher, ist ISO 15118-20 zusammen mit OCPP 2.1 der vorgesehene Weg 2.

Fragen vor dem Kauf

  • Welche OCPP-Version, und ist die Schnittstelle für beliebige Backends offen oder nur für Partner des Herstellers?
  • Funktionieren Laden und Lastmanagement auch ohne Cloud, wenn das Internet ausfällt?
  • Wie kommt die Box ins Netz – WLAN, LAN oder Mobilfunk? 40 Modelle in unserer Datenbank haben LTE (Wallboxen mit 4G/LTE).
  • Fallen Abogebühren für App, Backend oder OCPP-Freischaltung an?
  • Wie werden Firmware-Updates eingespielt, und wie lange liefert der Hersteller sie?

Alle Wallboxen mit ihrer OCPP-Version vergleichen Sie in der Wallbox-Übersicht.

Häufige Fragen

Was ist OCPP?

Das Open Charge Point Protocol ist ein offener Kommunikationsstandard zwischen Ladestation und Backend. Damit lässt sich eine Wallbox an Systeme verschiedener Anbieter anbinden.

Reicht OCPP 1.6J für zu Hause?

Für die meisten Haushalte ja. OCPP 2.0.1 bringt bessere Sicherheit, Gerätemanagement und ISO-15118-Unterstützung; 2.1 zusätzlich bidirektionales Laden. Wer die Box lange nutzen will, fährt mit 2.0.1 zukunftssicherer.

Brauche ich für meine Wallbox eine Ladekarte?

Nicht zwingend. RFID-Karten sind nützlich, um Fremdladen zu verhindern oder Dienstwagen-Ladungen getrennt zu erfassen.

Kann ich an öffentlichen Säulen ohne Ladekarte laden?

An neuen öffentlich zugänglichen Ladepunkten muss nach der EU-Verordnung AFIR auch punktuelles Laden ohne Vertrag möglich sein. Eine Ladekarte bleibt für Übersicht und Abrechnung praktisch.

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Quellen

  1. Open Charge Alliance — Open Charge Alliance · abgerufen 28. Sept. 2026
  2. Open Charge Point Protocol — Open Charge Alliance · abgerufen 28. Sept. 2026
  3. Verordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) — EUR-Lex · abgerufen 28. Sept. 2026