Ratgeber · Heimspeicher · Aktualisiert:

Nutzbare vs. nominale Kapazität: was ein Stromspeicher wirklich liefert

Auf dem Datenblatt eines Heimspeichers steht meist eine große Zahl: 5, 10 oder 15 kWh. Doch nicht jeder Hersteller meint damit dasselbe. Manche geben die Bruttokapazität an (alles, was die Zellen speichern können), andere die nutzbare Kapazität (was Sie tatsächlich verwenden können). Dazu kommen Wirkungsgrad, Standby-Verbrauch und Leistung. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie die Angaben fair vergleichen – mit Zahlen aus unserer Datenbank mit 39 Heimspeichern.

Brutto, netto und Entladetiefe

Lithium-Speicher halten länger, wenn sie weder ganz leer noch ganz voll werden. Das Batteriemanagementsystem (BMS) hält deshalb oben und unten einen Puffer frei. Der Rest ist die nutzbare Kapazität. Der freigegebene Anteil heißt Entladetiefe (Depth of Discharge, DoD).

BegriffBedeutungBeispiel
Nennkapazität (brutto)Gesamte Zellkapazität10 kWh
Entladetiefe (DoD)Freigegebener Anteil90 %
Nutzbare Kapazität (netto)Brutto × DoD9 kWh

So gehen die Hersteller in unserer Datenbank damit um:

  • 27 Speicher nennen nur die nutzbare Kapazität, 8 nur die nominale, 4 beide.
  • Bei den vier Modellen mit beiden Werten liegt netto bei 94,5 bis 97 % von brutto.
  • 12 Modelle geben eine DoD an: neunmal 100 %, zweimal 90 %, einmal 88 %.

Eine DoD von 100 % heißt in der Regel nicht, dass die Zellen bis 0 % entladen werden, sondern dass der Puffer schon aus der angegebenen Kapazität herausgerechnet ist. Vergleichen Sie also immer netto mit netto. Auf unseren Produktseiten steht bei jedem Wert, ob es sich um nominale oder nutzbare Kapazität handelt – mit Quelle.

Wirkungsgrad: was wieder herauskommt

Speichern kostet Energie, und zwar an drei Stellen:

  1. Umwandlung zwischen Solar- oder Netzstrom und Batteriespannung (hin und zurück).
  2. In der Batterie selbst, durch Innenwiderstand und Wärme.
  3. Standby: Elektronik, BMS und Wechselrichter, die dauerhaft laufen.

Hersteller nennen meist einen Round-Trip-Wirkungsgrad. In unserer Datenbank tun das 17 Modelle, mit Werten von 90 %, 94,5 % und 96 %. Achtung: Die Zahlen sind nicht immer gleich gemessen – mal nur für das Batteriemodul (DC), mal für das Gesamtsystem inklusive Wechselrichter (AC).

Wie groß die Unterschiede in der Praxis sind, zeigt die Stromspeicher-Inspektion 2026 der HTW Berlin mit 12 Systemen von 10 Herstellern. Der Batteriewirkungsgrad reichte von rund 88 % bis 97,1 %. In der 10-kW-Klasse erreichte das beste System einen System Performance Index (SPI) von 97 %, das schwächste 89,3 % – mit dreieinhalbfach höheren Verlusten 1.

Standby-Verbrauch nicht unterschätzen

Im selben Test lag der Standby-Verbrauch zwischen 4 und 64 Watt 1. Ein Speicher steht oft stundenlang still, im Winter manchmal tagelang. Als Obergrenze:

StandbyWenn der Speicher ein Jahr lang nur wartet (× 8.760 h)
4 Wca. 35 kWh
64 Wca. 560 kWh

Bei einem angenommenen Strompreis von 30 Cent je kWh sind das im ungünstigsten Fall rund 150 Euro Unterschied pro Jahr. Fragen Sie deshalb nach dem Standby-Verbrauch oder achten Sie auf unabhängige Messungen.

Leistung: wie schnell laden und entladen

Die Kapazität (kWh) sagt, wie viel Sie speichern können, die Leistung (kW), wie schnell. Ein 10-kWh-Speicher mit 2 kW Entladeleistung deckt abends keinen Wasserkocher plus Induktionsherd; der Rest kommt aus dem Netz.

  • Von 22 Speichern mit Angabe der Entladeleistung liegt der Median bei 3,5 kW, die Spanne reicht von 0,8 kW (Stecker-Speicher) bis 11,04 kW.
  • Rechnerisch gibt die Hälfte dieser Modelle pro Stunde höchstens gut die Hälfte ihrer Kapazität ab.

Ladeleistung und § 14a EnWG

Die Leistung hat in Deutschland noch eine zweite Bedeutung: Seit dem 1. Januar 2024 gelten Stromspeicher mit einer Netzanschlussleistung über 4,2 kW hinsichtlich des Strombezugs als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG 2. Der Netzbetreiber darf den Bezug bei Engpässen vorübergehend auf bis zu 4,2 kW reduzieren; im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte 2. In unserer Datenbank liegen 8 von 22 Speichern mit Angabe der Ladeleistung über dieser Schwelle. Mehr dazu im Ratgeber Stromspeicher und dynamischer Stromtarif.

Wie groß sollte der Speicher sein?

Ein größerer Speicher bringt nur etwas, wenn er auch voll und wieder leer wird. Zwei Grenzen bestimmen die sinnvolle Größe:

  1. Der Solarüberschuss am Tag. An einem trüben Dezembertag ist er oft null.
  2. Der Verbrauch am Abend und in der Nacht. Mehr zu speichern, als Sie bis zum nächsten Morgen verbrauchen, lohnt für den Eigenverbrauch nicht.

In unserer Datenbank liegt die mittlere Kapazität (netto, sonst brutto) bei 10 kWh: 9 Modelle haben bis 5 kWh, 11 zwischen 5 und 10 kWh, 11 zwischen 10 und 15 kWh und 8 mehr. Viele Systeme sind modular: Bei 25 Modellen nennt der Hersteller eine maximale Ausbaustufe, sodass Sie klein anfangen und später erweitern können.

Checkliste für den Vergleich

  • Steht da netto oder brutto? Brutto mit der DoD umrechnen.
  • Gilt der Wirkungsgrad für die Batterie (DC) oder das Gesamtsystem (AC)?
  • Wie hoch ist der Standby-Verbrauch in Watt?
  • Passt die Lade- und Entladeleistung zu Ihrem Abendverbrauch – und liegt sie über 4,2 kW (§ 14a)?
  • Ist der Speicher erweiterbar, und bis wie viel kWh?

Weiter geht es mit AC- oder DC-gekoppeltem Speicher und der Lebensdauer von Stromspeichern.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettokapazität?

Brutto (nominal) ist die gesamte Zellkapazität, netto (nutzbar) das, was das Batteriemanagement tatsächlich freigibt. Bei den vier Modellen unserer Datenbank mit beiden Angaben liegt die nutzbare Kapazität bei 94,5 bis 97 % der nominalen.

Was bedeutet Entladetiefe (DoD)?

Der Anteil der Nennkapazität, den Sie entladen dürfen. 90 % DoD bei 10 kWh brutto ergeben 9 kWh netto. Von den 12 Speichern unserer Datenbank mit DoD-Angabe nennen 9 einen Wert von 100 %.

Wie hoch sind die Verluste eines Heimspeichers?

In der HTW-Inspektion 2026 lag der Batteriewirkungsgrad zwischen etwa 88 und 97,1 %. Der Standby-Verbrauch reichte von 4 bis 64 Watt. 1

Fällt mein Stromspeicher unter § 14a EnWG?

Stromspeicher fallen hinsichtlich des Strombezugs darunter, wenn ihre Netzanschlussleistung über 4,2 kW liegt. In unserer Datenbank trifft das auf 8 von 22 Speichern mit Angabe der Ladeleistung zu. 2

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Quellen

  1. Stromspeicher-Inspektion 2026 — HTW Berlin · abgerufen 28. Sept. 2026
  2. Integration von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen (§ 14a EnWG) — Bundesnetzagentur · abgerufen 28. Sept. 2026